Samstag, 18. April 2026

Aurich

 

15.4.2026-16.4.2026

Von Axel

In Aurich machten wir Zwischenstation für Sauna- und Brauereibesuch. Direkt am Wohlfühl- und Familienbad „De Baalje“ gibt es einen Wohnmobil-Stellplatz, wo wir für 15 € stehen konnten. Gleich morgens ging es also in die Sauna. Es gab „Creme“-Aufgüsse, bei denen man sich vor dem Schwitzen eincremt, und einen Aufguß „Sturmflut“, bei dem es immer heißer wurde. 

Die "Stadtperle" in Aurich

 

Am Abend ging es dann zur 300 m entfernten Brauerei „Stadtperle“, deren Braumeister leider in Rente gegangen ist, so daß es leider keine lokalen Biere mehr zu probieren gab, wo wir aber recht gut zu Abend aßen.

 

Unser Wohnmobil am Hafen von Bensersiel

Am nächsten Tag fuhren wir zunächst mal nach Esens zu einem Campershop und -Werkstatt, denn unser Frostwächter machte Probleme und ließ ständig Wasser ab, wenn die Wasserpumpe eingeschaltet wurde. Der Experte vor Ort hatte aber leider kein Ersatzteil zur Hand, Nachschub war erst wieder für nächste Woche zu erwarten. Er drückte mir ein kleines Stück Schlauch in die Hand und empfahl den Frostwächter erstmal einfach zu überbrücken.

Das Sielwerk von Bensersiel

 

Danach wollten wir uns Esens noch anschaunen, fanden aber nirgends einen Tages-Parkplatz für Wohnmobile. Daher ging es gleich weiter nach Bensersiel, wo wir am Hafen stehen konnten. Auf dem dortigen Markt verspeisten wir erstmal Krabben- und Fischbrötchen und spazierten dann etwas umher, bevor wir die wenigen Kilometer nach Neuharlingersiel weiterfuhren und dort um 14:30 Uhr unseren Premiumplatz direkt am Deich bezogen, wo wir die kommenden vier Tage unser Lager aufschlagen würden. Der Campingplatz ist riesig, größer als ganz Neuharlingersiel, und ganz neu eingerichtet. Mit einer „Premium-Card“ hatten wir Zugang zum Kapitänshus, das innen wir ein Schiff gestaltet ist, mit komfortablen Toiletten, Duschen, Waschkabinen, und mit Musik; ich fühlte mich an den Stellplatz beim Europapark in Rust erinnert, wo wir denselben Luxus genießen konnten.

Am Nachmittag spazierten wir zum Hafen von Neuharlingersiel und endeten im Dattein zu Aperol und Bier, bevor wir uns im Wohnmobil die Reste eines Masaman warm machten und dazu Reis kochten.

Dollart

 

13.4.2026-15.4.2026

Von Axel

Der Dollart ist die Bucht, wo die Ems in die Nordsee mündet. Im Norden liegt Deutschland, im Süden Holland. Aufmerksam geworden auf diese Region bin ich durch einen Artikel im Heft promobil 5/2026, in dem diese Region als weißer Fleck auf der Landkarte für Reisemobilisten bezeichnet wird, in dem sich deutsche und niederländische Einflüsse vermischen. Entstanden ist dieses riesige Flussdelta einst, als durch Fehden vernachlässigte Deiche brachen und das Land vom Meer verschlungen wurde.

Unser Stellplatz in Delfzijl

 

Wir machten uns auf den Weg nach Delfzijl, wo nach zweieinhalb-stündiger Fahrt ein praktischer Wohnmobil-Stellplatz mit großzügigen Stellplätzen und kleinem Sanitärhäuschen auf uns wartete. Wir hinterließen 2x15 Euro + 4x1,75 Euro Touri-Steuer in einem Umschlag und warfen diesen in die “Trust-Box”, denn wir wollten zwei Tage hier bleiben. Heute war es bewölkt mit etwas Regen am Abend und in der Nacht, aber für den nächsten Tag locket sonniges Wetter für eine Radtour durch das Emsland.

Wir spazierten durch Delfzijl, das außer einer großen Mühle und einer eher langweiligen Fußgängerzone nicht viel zu bieten hat. Hinter dem Deich war jede Menge flaches Wattenmeer zu sehen, im Süden zahlreiche Windräder und Hafenanlagen.

Termunterzijl

 

Am nächsten Tag, einem Dienstag, radelten wir los gen Süden auf dem Dollard-Radweg in das 12 km entfernte Örtchen Termunterzijl. Ein Großteil der Strecke führte an Industrieanlagen und Raffinerien vorbei, bis es dann wieder am Deich entlang in das kleine ehemalige Fischerdorf ging.

 

Spiegelei-Brodje "Nordic"

Im Café an den Hebebrücke

Wir waren vor zwölf Uhr da und kehrten in ein schmuckes Cafe ein direkt an einer Hebebrücke über einen Kanal gelegen. Dort machten wir Mittagspause mit alkoholfreiem Radler und Spiegeleier-Brodje “Nordisch” ( mit Räucherlachs ), was sehr lecker und liebevoll zubereitet war. Nach einem Espresso radelten wir auf Rat der netten Wirtin noch zum 3 km entfernten Dollart-Besucherzentrum, wo wir zwar keine Seehunde mit ihren Babies sehen konnten, dazu war es noch zu früh – die kommen erst im Mai. Dafür aber jede Menge Schafe mit ihren kleinen Lämmern.

 

Der Dollart

Um die vielen Industrieanlagen zu meiden und weil es noch früh am Tag war und das Wetter prima

(okay, wir hatten dann natürlich mit einem frischen Gegenwind zu kämpfen ), radelten wir einen Umweg zurück nach Delfzijl über Wagenborgen, an Kanälen und Weiden entlang, vorbei an mächtigen Windrädern, immer die richtige Nummer ansteuernd im holländischen Radwegenetz dieser Region: 95-91-86-62-84-82-89-87. Gegen 16:30 Uhr waren wir nach insgesamt 42 km Strampelei wieder zurück am Womo.

Nach einer Teepause gab es noch einen kurzen Spaziergang auf dem Deich entlang und dahinter wieder zurück zu unserer mobilen Heimat.

Münster

 

10.4.2026-13.4.2026

Von Alex

Nach ca. 3 Tagen WoMo packen war es am Freitag soweit: wir starteten Richtung Norden, denn die diesjährige Ausfahrt soll uns nach Dänemark und Südschweden führen - so der Plan.

Aber zunächst steuerten wir Münster in Nordrhein-Westfalen an, da wir schon immer mal im Münsterland Fahrrad fahren wollten. Leider bekamen wir auf dem von uns erwählten Campingplatz Münster keinen Stellplatz mehr für uns und unser Wohnmobil. Also suchten wir weiter.

Unsere Nachbarn auf dem ersten Stellplatz

 

Auf einem Reiterhof namens Hippo-Fun wurden wir fündig. Dort sagte man uns einen Stellplatz mit Strom und Sanitäranlage zu; der Preis ohne Strom beläuft sich auf 15€ pro Tag, also recht günstig.

Die Fahrt über die A45 war allerdings recht mühsam, da sich auch dort eine Baustelle an die andere reiht, aber gegen 16:30 Uhr hatten wir auch das geschafft und fuhren auf dem Reiterhof vor, wo wir sogleich von ca. 50 Ponys neugierig beäugt wurden.

Zunächst entleerten wir unseren Wassertank, den wir noch zu Hause mit Tankreinigungsmittel behandelt hatten. Dann spülten und befüllten wir ihn mit Frischwasser. Allerdings schäumt unser Wasser etwas!!

Nach der Anmeldung fuhren wir zwischen Stallungen und Misthaufen hindurch zu unserem Platz hinter der Strohscheune mit direktem Blick in die Reithalle und Koppel. Der Stromanschluss, der eindeutig nicht für den Aussenbereich konzipiert wurde, funktionierte zunächst, doch nachdem unser Nachbar den Elektrogrill und wir den Wasserkocher angeworfen hatten, war es vorbei mit der Stromzufuhr. Laut Betreiber war aber alles in Ordnung mit den Sicherungen; der Elektriker aber erst wieder am Montag erreichbar. Also hängten wir unser Kabel flugs an einen anderen freien Stecker und seitdem klappt es auch mit dem Strom. Pech allerdings für die Spätanreisenden!

Nach einem sehr erfolgreichen(!) Besuch in Jacques Weindepot, für das wir vom Reiterhof einen Gutschein erhalten hatten, und einem Einkauf im Bauernladen nebenan, beschlossen wir den Anreisetag mit einem kleinen aber feinen Abendessen bestehend aus einem leckeren Lagrein von Jacques sowie Salat und zwei leckeren Quiches. Manchmal ist das Leben doch ein Ponyhof !

Auf dem Markt in Münster vor dem Dom

 

Samstag ist Markttag, auch in Münster. Und da uns der Markt rund um den St. Paulus Dom empfohlen wurde, radelten wir guter Dinge am Samstagmorgen Richtung Münster Innenstadt.

Dass Münster eine Fahrradstadt ist kann man unschwer an den außerordentlich zahlreichen Radfahrern, Fahrradwegen und Fahrradstraßen erkennen, auf denen Fahrräder Vorfahrt haben und Autos nur geduldet werden: das macht echt Spaß! 

Vor Wilsbergs Antiquariat

 

In der Innenstadt angekommen stellten wir unsere Räder, neben hundert anderen Rädern, ab und spazierten durch die Einkaufsstraßen Richtung Dom. Als wir diesem dann näher kamen wurde auch das Gewusel immer größer und die Menschenmassen zwischen den Marktständen ließen uns nur so staunen! An vielen Ständen standen die Menschen in langen Schlangen und warteten geduldig auf einen Kaffee, ein Glas Wein oder auf die hier sehr beliebten „Kipplinge“; das sind Fischfiletstückchen, die mit Backteig überzogen und dann frittiert wurden. Wir ließen uns von den Massen mal hier hin und mal dahin schieben und als wir genug hatten ließen wir uns in einem abseits gelegenen Cafe nieder und genossen Kaffee, Cappuccino und die Sonne. Der Hunger trieb uns dann wieder auf den Markt und als wir eine nur sehr kurze Schlange bei dem Fischbrötchenstand erspähten, ergatterten wir zügig zwei frische Fischbrötchen. Mit dem Wein dazu wurde es allerdings nichts, da wir sicher eine halbe Stunde hätten warten müssen.

Wir streiften dann weiter durch die Altstadt immer in der Hoffnung das Antiquariat Wilsberg aus dem gleichnamigen Krimi zu erspähen, aber nichts passierte. So erkundigten wir uns also im Touristenbüro und fanden wenig später den Buchladen Solder, alias Antiquariat Wilsberg, der geöffnet hatte, und wo ich natürlich ein kleines Buch erstand, um so mal einen Blick quasi hinter die Kulissen zu werfen.

Das Schloss in Münster

 
Im Botanischen Garten von Münster

Da wir nun endgültig genug von dem Trubel hatten, lenkten wir unsere Schritte zum Schloss Münster, das 1767-1787 als barocke Dreiflügelanlage im Auftrag von Maximilian Friedrich von Königsegg gebaut wurde und als Residenz der Fürstbischöfe diente. Seit 1954 ist das Schloss Sitz der Universität Münster und so verwundert es auch nicht, dass sich quasi im „Schlossgarten“ ein großer und äußerst umfangreicher Botanischer Garten der Uni Münster befindet, den wir uns bei herrlichem Sonnenschein auch gleich noch anschauten.

Im Friedenssaal im Rathaus von Münster

 

Aber auch die Historie kam heute nicht zu kurz. Im Rathaus von Münster befindet sich der sog. Friedenssaal, der seinerzeit als Rats- und Gerichtssaal genutzt wurde. Allerdings diente er 1648 auch dazu, den Westfälischen Frieden zu schließen, der den dreißigjährigen Krieg auf diplomatischem Wege beendete, nachdem über 300 Delegierte 5 Jahre in Osnabrück und Münster verhandelt hatten.

Dank der Umsicht der Verantwortlichen wurde die einzigartige und historisch wertvolle Einrichtung des Friedenssaals im zweiten Weltkrieg rechtzeitig in Kellern in Sicherheit gebracht, bevor am 10.10.1943 die Alliierten die Innenstadt fast dem Erdboden gleich machten.

Zurück auf unserem Ponyhof beschlossen wir diesen interessanten Tag mit einem kleinen Abendessen bestehend aus Spaghetti mit Trüffeln, dem restlichen Salat von gestern und natürlich einem leckeren Glas Wein aus Jacques Weindepot.

 

Radeln am Dortmund-Ems-Kanal

Das Wetter war am heutigen Sonntag recht schön und so nutzten wir den Tag für eine Radtour zum Dortmund-Ems-Kanal. Das Münsterland hat sich das Fahrradleitsystem wohl von den Holländern abgeschaut, denn man fährt auch hier von Knotenpunkt zu Knotenpunkt; auf holländisch: Fietsknooppunten, was wir bereits in den Niederlanden kennen und schätzen gelernt haben.

Vom Stellplatz ging es also zunächst zum Knotenpunkt 56 in Mecklenbeck, dann weiter zur 64, zur 9 und schon waren wir am Kanal, auf dem gemächlich die Lastenkähne tuckerten. Nun folgten wir eine ganze Weile dem schönen Kanalradweg, bis wir bei Knotenpunkt 22 Richtung Münster Innenstadt abbogen. Dort stellten wir wieder die Räder ab und waren erstaunt, wie ruhig und friedlich die Stadt war. Am Dom herrschte gähnende Leere, denn der „Markt war verlaufen“. Im Marktcafe suchten wir uns einen gemütlichen Tisch, um zu Mittag zu essen, denn wir hatten schon recht früh gefrühstückt.

Flammkuchen mit Spargel im Marktcafe in Münster

 

Es gab frischen Spargel, für jeden einen Aperol und als Dessert einen Erdbeer-Rhabarber-Crumble mit Vanillesoße; alles extrem lecker.

Danach schlenderten wir noch ein wenig durch die leere Innenstadt und wollten dann noch mit den Rädern zum Botanischen Garten, um uns dort noch die zahlreichen Gewächshäuser anzusehen.

Astronomische Uhr im Dom zu Münster

 

Als Axel aber aufs Rad steigen wollte, stellte er fest, dass das Vorderrad komplett platt war. Aufpumpen half nicht. Also schoben wir die Räder bis zum nahegelegenen Aasee und hatten eine Art deja vu. Denn im letzten Jahr hatte ich mitten im Naturschutzgebiet des Po-Deltas ja einen Platten und wir mussten auf italienisch ein Taxi rufen, um die noch ausstehenden 40 Km zum Campingplatz zurückzulegen!

In der Innenstadt von Münster

 

Am See montierten wir das Vorderrad ab und Axel fand im Wasser schnell das Leck im Schlauch, das wir dann mit dem neuen Reparaturset verklebten. Dann alles wieder auf Anfang und aufpumpen-geschafft. Der Reifen hielt die Luft und so erreichten wir ohne weitere Vorkommnisse am späten Nachmittag unseren Stellplatz.