Freitag, 19. Juni 2026

Schwerin

 

15.06.2026 – 18.06.2026

Von Alex+Axel

Die Landeshauptstadt von Mecklenburg-Vorpommern war das nächste Ziel auf unserem Weg nach Berlin. Dazu hatten wir uns einen Stellplatz auf dem Campingplatz Süduferperle am Schweriner See, ca. 10 km südlich von der Innenstadt, für drei Nächte reserviert. Mittlerweile wird es auf den Plätzen immer voller und da ist es ratsam beim Campingplatz anzufragen, bevor man ihn ansteuert.

Der Anreisetag war wieder mal grau und sehr stürmisch und der wirklich schöne Stellplatz unter Bäumen direkt am Seeufer kam gar nicht so zur Geltung, was sich aber am nächsten Tag ändern sollte.

Unser Stellplatz am Schweriner See

 

Außerdem wollen wir an dieser Stelle auch mal auf eine für Wohnmobillisten notwendige Tätigkeit eingehen, nämlich den Ablass von Grauwasser. Der Abwassertank befindet sich unter dem Wohnmobil und muss selbstredend von Zeit zu Zeit entleert werden. Dafür stehen im Normalfall Ablassstellen auf den Campingplätzen zur Verfügung, über die man einfach drüber fährt, das Wohnmobil entsprechend platziert und das Grauwasser dann in einen Gulli oder Schacht ablaufen lässt. Das kann mal mehr mal weniger schwieriger werden, je nachdem wieviel Platz an der Ablassstelle ist, aber in der Regel kommt man damit gut zurecht. In Lübeck verzichteten wir großzügig auf diese Maßnahme, denn der Platz verfügte über keine Ablassstelle im oben beschriebenen Sinne. Hier handelte es sich vielmehr um einen dicken Schlauch, der in einem Gulli endete und der auf der anderen Seite einen flachen und recht kleinen Wasserauffangbehälter hatte, den man zielgenau unters Wohnmobil schieben musste, damit er direkt unter dem Ablass zum Stehen kommt, um das Grauwasser aufzufangen. Nun, das war uns alles viel zu mühsam und so beschlossen wir auf dem Campingplatz in Schwerin unser Grauwasser los zu werden. 

Tja, was soll ich sagen-die Vorrichtung war hier natürlich die gleiche wie in Lübeck, allerdings mit der zusätzlichen Schwierigkeit, dass die Auslassstelle sehr eng war und auch noch schräg! Der phantasievolle Leser kann sich nun denken was kommt: Axel und Alex fluchten, manövrierten den Schlauch mit der Metallbox unter dem WoMo hin und her, fuhren das Wohnmobil noch ein Stück nach vorne, holten den Besen und hatten schlußendlich gewonnen: die Auffangbox stand punktgenau unter dem Ablass und wir wurden unser Grauwasser nach mühevollen 10 Minuten los. Das hätten wir in Lübeck einfacher haben können, denn dort war genug Platz und es war ebenerdig.

Man lernt auch beim Camping nie aus! Aber wir hatten mal wieder gegen eine grundlegende Regel verstoßen: erledige sofort, was du erledigen kannst. Aufschieben bringt meistens nix.

Schweriner Schloss

 

Für Dienstag hatten wir uns noch am Vorabend für eine Stadtführung beim Touristikbüro angemeldet und da diese um 11 Uhr startete und wir mit ca. 1 Stunde Anreise mit dem Fahrrad rechneten ging es heute mal etwas früher aus den Federn. Noch ist es hier am Morgen leider zu kalt, um draußen zu frühstücken, aber das soll sich ja in den kommenden Tagen auch hier im Norden von Deutschland ändern-hurra!

 

Löwen-Statue von Peter Lenk
vor dem Schweriner Dom

Um 9:15 Uhr radelten wir also los und fanden problemlos den Radweg, der meist am See entlang sehr schön nach Schwerin verlief und am Ende 11 km lang war. Nur an einer Stelle bogen wir mal falsch ab wegen fehlender Beschilderung, bemerkten den Fehler aber sofort. Die Stadt rückte immer näher und gegen Ende der Tour kam dann auch das wirklich hübsche Schloss in Sicht, auf das wir über den See schon mal einen schönen Ausblick hatten.

Am Schloß vorbei und über den Alten Garten, der kein Garten sondern ein Paradeplatz ist, gelangten wir in die Innenstadt, wo wir unsere Räder an der Staatskanzlei parkierten. Wir hatten noch genügend Zeit etwas herumzuspazieren und ein WC zu finden, bevor dann pünktlich um 11:00 Uhr der Stadtrundgang auf dem Marktplatz startete. Die über 30 Personen große Gruppe wurde in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt und wir marschierten los mit Norbert, der uns gleich ankündigte, daß sich die Tour von 90 Minuten auf zwei Stunden verlängern würde, denn er wollte uns noch unbedingt die Schelfstadt zeigen, jenen Stadtteil östlich vom Pfaffensee, der beinahe Plattenbauten zum Opfer gefallen wäre, wenn nicht die Bürger, u.a. auch die damals 92jährige Blumenfrau Bertha Klingberg, die 17.000 Unterschriften sammelte gegen diesen Unsinn, heftig dagegen protestiert hätten.  Bertha Klingberg  wurde dafür später mit einer Bronzestatue geehrt, die wir am Ende des Tages noch an der Schlosspromenade besuchten. Bertha Klingberg wurde 107 Jahre alt und starb 2005. Ihr großer Wunsch die Bundesgartenschau 2009 zu erleben ging damit nicht mehr in Erfüllung.

Am Pfaffensee

 

Die Tour dauerte am Ende 2 und eine viertel Stunde, denn Norbert konnte gut und viel erzählen und es wurden auch einige Fragen gestellt.

Zunächst ging es zur Löwenstatue von Peter Lenk, der bekannt ist durch viele Arbeiten, die man am Bodensee bewundern kann, wie z.B. die berühmte Imperia im Hafen von Konstanz, und dessen Arbeiten sich immer durch bissigen Humor auszeichnen. U.a. war auf dieser Statue Heinrich der Löwe zu sehen, wie er vor einem Bildhauer posierte, der eine Löwenstatue anfertigte. Heinrich der Löwe war es, der 1160 die Stadt Schwerin gründete und das imposante Schloss im Schweriner See erbaute.

Weiter ging es in den Dom, der nicht mehr viele Schätze zu bieten hatte, aber zwei Messing-Grabplatten derer von Bülow, mit denen auch Loriot verwandt sein soll. Das gewaltige in der Mitte schwebende Holzkreuz mit Jesus stammt auf der Wismarer Marienkirche, die zu DDR-Zeiten abgerissen wurde.

Weiter ging es zum Pfaffensee, der eigentlich ein Mühlenteich war, aber so genannt wurde, weil er auf Kirchengrund lag. Von dort ging es weiter in die schon erwähnte Schelfstadt und schlussendlich am Theater vorbei auf den Paradeplatz „Alter Garten“, wo die Tour endete.

In der Schelfstadt

 

Im Schlossgarten

 

Wir kehrten erstmal in ein Café neben dem Rathaus ein zum Mittagessen, dann spazierten wir zum Schloss, in dem sich der Landtag befindet, und durchstreiften die wunderschönen Gärten drumherum. Weiter ging es zum Pier, wo die Ausflugsschiffe abfuhren. Uns war aber eher nach einem bzw. zwei Aperol, die wir in der Sonne sitzend genossen mit Blick auf das Schloss.

Nachdem wir die Bronzestatue von Bertha Klingberg im Schlosspark gesucht und gefunden hatten radelten wir am frühen Abend wieder zu unserem Campingplatz zurück.

Bertha Klingberg

 

 

 

 

 

 

Am kommenden Tag, einem Mittwoch, radelten wir entgegen des Uhrzeigersinns um den Inneren Schweriner See. Zunächst ging es über einen Weg direkt am See entlang, der sich aber mehr und mehr als Wanderweg entpuppte, weswegen wir bei Görslow die Räder einen steilen Weg durch den Wald nach oben schoben und dann mittels Google Maps den Weg nach Leezen und auf den Radweg T10 fanden, der Teil der „Blauen 8“ ist, die um den inneren und äußeren See herumführt. 

So gelangten wir alsbald zu dem Ort Rampe, wo wir nach links abbogen auf den Damm, der den inneren vom äußeren See trennt. Das Restaurant „Seewarte“ am Ende des Dammes hatte heute Ruhetag, weswegen wir gleich weiter radelten auf einem Radweg entlang der Strasse in das nun noch 7 km entfernte Schwerin.

Dort parkten wir die Fahrräder am Rande der Fussgängerzone und machten uns auf die Suche nach einem Restaurant zum Mittagessen. Das Weinhaus  Wöhler gab uns abermals einen Korb ( gestern Ruhetag, heute geschlossene Gesellschaft ) aber wir fanden eine gute Alternative: den Traditions-Gasthof „Zur guten Quelle“ mitten in der Altstadt in einem Fachwerkhaus, die damit warben, den kleinsten Biergarten Mecklenburgs zu haben. Wir ergatterten einen Tisch in der Enge Strasse vor dem Haus und ich bestellte Spargel mit geräuchertem Schinken zum Mittagessen, Alex Buntbarschfilet ebenfalls mit Spargel – beides sehr lecker. Der Riesling vom Weingut Werner in Flonheim dazu war ebenfalls ganz nach meinem Geschmack.

Wendeltreppe im Dom-Turm

 
Aussicht vom Dom-Turm

Anschließend wagte ich mich an den Aufstieg im Dom-Turm zur 50 m hoch gelegenen Balustrade, die über eine schmale Wendeltreppe erreicht werden kann. Norbert, unser Stadtführer von gestern, hatte nicht zu viel versprochen: die Aussicht war toll – hinüber zum Schloss, dem Schlossgarten, der „Schwimmenden Wiese“ und dem Schweriner See auf der einen Seite, auf der anderen Seite auf Pfaffenteich und den dahinter liegenden Ziegelsee mit dem Speicherhaus, das heute wohl ein Hotel beherbergt, davor die Schelfstadt, die wir gestern erkundet hatten.

Der Turm ist insgesamt 117,5 m hoch und der höchste Kirchturm Ostdeutschlands. Vor dem Aufstieg wurde ich vor der Turmuhr gewarnt, die alle 15 Minuten schlägt und einen beim schwindelerregenden Anstieg erschrecken kann; sie war dann aber nicht so laut wie befürchtet.

Altes Fachwerkhaus von 1698 in der Altstadt

 

Am Nachmittag radelten wir dann die verbleibenden 11 km unserer 36 km langen Radtour zurück zu unserem Campingplatz und stellten dort gleich Stühle und Tische heraus, denn mittlerweile war es sehr warm geworden und wir genossen einen lauen Abend mit Blick über den See nach Schwerin, mit der Beobachtung diverser Vögel auf dem See und einer Biber-Sichtung direkt hinter unserem Wohnmobil. Als der Biber einmal komplett aus dem Wasser kletterte staunten wir nicht schlecht über seine Größe, die man nur erahnen kann, wenn man nur den Kopf aus dem Wasser ragen sieht.

Montag, 15. Juni 2026

Lübeck

 

12.06.2026 – 15.06.2026

Von Alex+Axel

Für das Wochenende haben wir uns vor den Toren Lübecks einen Stellplatz auf einem Campingplatz gesichert, von dem aus man mit dem Fahrrad oder auch dem Bus bequem in die Innenstadt fahren kann. Das Wetter ist nach wie vor kühl und sehr wechselhaft mit mehr kräftigen Schauereinlagen als Sonnenschein. Von daher ist es praktisch auch eine Busverbindung zu haben.

Holsentor

 

Am Ankunftstag putzten wir mal wieder das Innere vom WoMo, räumten den Stauraum auf, ruhten uns aus und kochten uns am Abend einen leckeren Nudelauflauf, denn die Besichtigung von Lübeck haben wir für Samstag und Sonntag vorgesehen.

Am heutigen Samstag präsentiert sich das Wetter mehr als schauderhaft. Es schüttet in regelmäßigen Abständen, dazu wehte ein stürmischer und echt kalter Wind. Das das Regenradar ein wenig Besserung für den Nachmittag ankündigte, beschlossen wir erst am frühen Nachmittag in die Innenstadt zu fahren und zwar mit dem Bus! Bei dem Wetter holten wir die Fahrräder erst gar nicht vom Träger herunter, zumal der Bus direkt am Campingplatz abfuhr.

Und so fuhren wir also erst gegen 14 Uhr mit der Linie 2 zum Holstentorplatz. Der nette Busfahrer verkaufte uns gleich auch noch die Rückfahrkarten, womit wir ein paar Cent sparen konnten.

Rathaus mit Rathausplatz

 

Am Holstentor, dem Wahrzeichen von Lübeck angekommen, regnete erst mal wieder und wir stellten uns unter, bis der Schauer vorbei war. Das Holstentor wurde 1478 fertiggestellt und ist ein altes Stadttor, das die Altstadt der Hansestadt begrenzt. Das spätgotische Gebäude gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigung. 1901 übernahm der Marzipanhersteller Niederegger das Holstentor in sein Firmenwappen und es ist auf der 2 € Münze aus dem Jahr 2006 zu sehen.

In einem Lübecker Hinterhof

 

Das Burgtor

Dann ließen wir uns durch die Stadt treiben und bestaunten vor allem die Gänge und Höfe der Stadt. Sie sind ein ganz besonderer Bestandteil der mittelalterlichen Baustruktur der Stadt. Die begrenzte Fläche der Altstadt wurde durch schmale Gänge erschlossen, an die man kleine, oft nur ein Zimmer umfassende Buden baute. Die Höfe wurden in der Regel von begüterten Lübeckern hergerichtet. Häufig zogen dort Kaufmanns- und Schifferwitwen ein. Einige Höfe waren auch für Bedürftige eingerichtet. Die Gänge hingegen wurden mit dem Ziel geschaffen, möglichst viel Mietzins einzunehmen. Private Grundbesitzer bauten schmale Durchbrüche in die Vorderhäuser, um in den Hinterhöfen Buden aus Holz zu errichten, wo die Ärmsten der Armen in drangvoller Enge und unter vollkommen unzureichenden hygienischen Bedingungen hausten. Im 17. Jahr. existierten rund 180 solcher Gänge, heute sind noch ca. 90 erhalten, die man teilweise besichtigen kann. So schlenderten wir weiter zum Klughafen, schauten einer alten Kogge beim Anlegen zu, die als Ausflugsschiff dient, marschierten durch das alte Burgtor vorbei an zahlreichen alten Backsteinbauten mit Stufengiebeln. Die Lübecker Bürger müssen eine Vorliebe für Rosen haben, denn an fast allen Häusern der Altstadt prangen herrliche Rosen aller Art. Da es zwischenzeitlich schon Abend geworden war machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das war allerdings schwerer als gedacht. Wir fanden nur Dönerbuden, Cafes die schon geschlossen hatten oder völlig überfüllte Lokale, an denen sich zum Teil lange Warteschlangen gebildet hatten. Nach der dritten Runde durch die Fußgängerzone kehrten wir schließlich in einer Selbstbedienungspizza ein, da der Hunger mittlerweile beträchtlich war. Der Salat war ausgezeichnet, die Pizza durchschnittlich, aber wir waren satt. Für morgen werden wir uns unbedingt einen Tisch in einem netten hiesigen Lokal sichern!

 

Stufengiebel-Backsteinhäuser beim Holstentor

Auch am Sonntag war das Wetter launig und überwiegend bewölkt und erst am Nachmittag sollte es etwas trockener werden, so dass wir wieder am frühen Nachmittag mit dem Bus in die Innenstadt fuhren. Während wir gestern hauptsächlich durch den westlichen Teil der Stadt, die gleichzeitig eine Insel ist zwischen Klughafen, Kanal-Trave, Stadt-Trave, Holstenhafen und Hansahafen, gewandert waren, nahmen wir uns heute den östlichen Teil und die dortigen schmalen und/oder niedrigen Gänge vor, die teilweise auf dem Stadtplan von Lübeck, den wir am Campingplatz erhielten, verzeichnet sind. Zuvor kehrten wir diesmal aber beim Niederegger-Café ein und gönnten uns dort Baumkuchen mit Marzipan bzw. Herrentorte zu Tee oder Kaffee.

Lübeck aus Marzipan

 

Dom zu Lübeck

Wir besuchten auch den Dom, dessen beiden Türme deutlich schief stehen und der hohen Sanierungsbedarf hat, denn auch das Mauerwerk bröckelt. In den letzten Jahren hat man das aufwendig analysiert, sogar bis zu 3,2 m tiefe Bohrungen ins Mauerwerk vorgenommen und mittlerweile ein Sanierungskonzept vorgelegt, das 23 Millionen € kosten soll. Neben dem instabilen Untergrund waren auch die verwendeten Ziegelsteine von schlechter Qualität, denn zur Bauzeit des Doms fehlte die Erfahrung Steine in guter Qualität herzustellen. Die beiden Weltkriege taten ihr Übriges, dem Dom schwer zuzusetzen.

 

Traditionshaus der
Schiffergesellschaft


Mit unserer Wanderung durch Lübeck mußten wir bis 18:00 Uhr durchhalten, denn für diesen Zeitpunkt hatte Alex einen Tisch im Restaurant „Schiffergesellschaft“ reserviert, einem Lübecker Traditionshaus in einem ehemaligen Gildehaus in der Breiten Straße. Die Lübecker Schiffergesellschaft entstammt den Anfängen der kommerziellen Seefahrt und war ursprünglich für alle Schiffer der Hansestadt verpflichtend. Mit dem Erlöschen der Beitragspflicht entstand vor rund 150 Jahren das, was die Schiffergesellschaft heute ist: Ein traditionelles, hanseatisches Restaurant mit moderner Küche und historischem Ambiente.

Wir wurden durch einen großen Raum mit langen Tafeln und Modellen von Segelschiffen an der Decke in einen der Säle im hinteren Bereich geführt und bestellten uns dort unser Abendessen: zwei Aperol, Pfahlmuschelsalat bzw. Krabbensuppe für Alex als Vorspeise, gefolgt von geschmorter Kaninchenkeule und gegrillter Dorade. Bis auf die Krabbensuppe waren wir mit dem Essen sehr zufrieden, der Service war etwas ruppig und hektisch.

Um 20:38 Uhr ging es mit dem Bus zurück zum Campingplatz.