Montag, 27. April 2026

Büsum

 

24.04.2026 – 27.04.2026

Von Axel

 

Ein zweitägiges Sturmtief stand bevor, das uns wieder in den Winter zurückversetzte mit stürmischen Böen und eisigen Temperaturen. Wir fuhren weiter nach Büsum in das Örtchen Stinteck und bezogen auf dem fast leeren Campingplatz (von Stamm-Campingplätzen mal abgesehen) „Nordseecamping in Lee“ einen Platz mit Blick zum Deich und einem Reitstall nebenan ( schon wieder Pferde als Nachbarn 😉).

Büsumer 
Leuchtturm

Den restlichen Freitag verbrachten wir im Wohnmobil mit chillen, lesen, kochen: es gab Senf-Hühnchen zum Abendessen mit Kartoffeln und Salat. Am Samstag, dem stürmischsten Tag, spazierten wir in das 5 km entfernte Büsum immer am Deich lang; nur manchmal wagten wir auch einen Blick auf die andere Seite, aber der eisige Sturm trieb uns wieder hinter den Deich zurück.

An der Perlebucht beobachteten wir einige Kite-Surfer im eiskalten Wasser, die aber von dem Wind sehr begeistert zu sein schienen und hohe Sprünge absolvierten. Weiter spazierten wir am Deich entlang und dem Hochhaus vorbei zum Büsumer Hafen, wo zahlreiche Fischerboote zu sehen waren und der 21,4 m hohe Leuchtturm. Am Ende des Hafenbeckens fanden wir dann einen Fischladen mit Bistro und wärmten uns dort vor einem Heizpilz auf, während wir Krabbensuppe und bretonische Austern (!) genossen, dazu natürlich ein Gläschen Weißwein.

In einer Kaffee-Rösterei erstanden wir dann noch eine milde Kaffee-Mischung „Büsumer Halbstarker“, bevor wir uns auf den Rückweg zum Campingplatz machten, jetzt hart gegen den Wind marschierend, so dass wir froh waren, als wir nach gut einer Stunde das schützende Wohnmobil wieder erreicht hatten.

Kutter im Hafen von Büsum

 

Abends spazierten wir zum nahe gelegenen Restaurant „Stintecker Stuuv“, wo wir nur noch im „Wintergarten“ einen Platz ergattern konnten, prinzipiell ein riesiges Vorzelt, aber immerhin mit Wärmestrahler. Das Essen war lecker: Schollenfilet mit Bratkartoffeln oder ein Curry mit Rotbarschfilet. Dazu gab’s Dithmarscher Dunkelbier (in das haben wir uns richtig „eingetrunken“ 😉), und abschließend für Alex den hiesigen Kümmelschnaps Helbing, der leicht süßlich schmeckt, und für mich einen Barrique-Grappa Marzadro aus dem Trentino mit einem Stück Schokolade.

Unser Stellplatz beim
„Nordseecamping in Lee

 Am Sonntag war der Sturm vorbei und die Sonne strahlte vom Himmel. Aus diesem Grund hatten wir unseren Aufenthalt hier noch um einen Tag verlängert und unternahmen eine Radtour gen Norden immer am Deich lang zum Eidersperrwerk, 15 km entfernt. Unterwegs kamen wir an einer Sportveranstaltung vorbei, wo Boßeln betrieben wurde, eine Art Kugel-Weitwurf. 

Eidersperrwerk

 

Am Eidersperrwerk gab es eine riesige Kolonie brütender Lachmöwen zu sehen, die ein mordsmäßiges Spektakel machten. Dort am Aussichts-Pavillon saßen wir in der Sonne, beobachteten Vögel, unter anderem auch Fluss- und Seeschwalben und Austernfischer, und aßen dazu Fisch- und Krabbenbrötchen in Begleitung eines Fläschchen Flensburger.

A-Team mit Fischbrötchen und Flens

 

Weiter ging unsere Radtour nun ein Stück über die „Kohlrute“ ( wir hatten ein Heftchen „Nordsee Radfahren“ ergattert mit zahlreichen Radtouren, die man hier unternehmen kann ), vorbei an einem Hofladen, wo wir uns mit Galloway-Gulasch, Spargel und Erdbeeren eindeckten. Die nette Besitzerin war aber sichtlich unzufrieden mit den stagnierenden Besucherzahlen aufgrund der erhöhten Sprit-Preise. Weiter ging es über Radwege und Nebenstrassen nach Routenführung von Google Maps zurück nach Stinteck, so dass wir insgesamt 35 km auf dem Rad zurücklegten. Etwa 2 km vor Stinteck entdeckte Alex einen Adlerhorst und daneben einen Seeadler in der Krone eines größeren Baumes. Sie nahm später Kontakt auf mit den Mitarbeitern der Projektgruppe Seeadlerschutz e.V. und wir schickten denen die genauen Koordinaten, einen Screenshot des Satellitenbildes aus Google Maps und ein Foto der Sichtung, denn es war unklar, ob dieser Adlerhorst schon bekannt war.

Ein Kaffee in der Sonne vor dem Wohnmobil und ein leckeres Abendessen bestehend aus dem Galloway-Gulasch, Spargelgemüse, frischen Kartoffeln und zum Nachtisch aromatische Erdbeeren im Wohnmobil rundeten den Tag dann perfekt ab.

Donnerstag, 23. April 2026

Friedrichskoog

 

22.04.2026 – 24.04.2026

Von Alex+Axel

 

Den heutigen Morgen haben wir zunächst damit verbracht unseren Frischwassertank und die Heizung komplett zu entleeren, um den Frostwächter zu reparieren. Ziel war der Ausbau des Teils und die Überbrückung mittels eines kleinen Schlauches. Aber nichts davon gelang! Weder bekamen wir das Ding ausgebaut noch konnten wir irgendetwas überbrücken. Also alles wieder einräumen, Frischwasser nachfüllen und zerknirscht zugeben, dass wir das Problem so nicht lösen können. Vielleicht finden wir ja nochmal eine Werkstatt unterwegs, die uns kurzfristig helfen kann.

Reparatur-Einsatz auf unserem 
Stellplatz in Bremerhaven

 Als nächsten Zwischenhalt hatten wir uns Friedrichskoog ausgeguckt. Kilometermäßig nicht besonders weit (ca. 130 km) zu fahren, allerdings liegt die Elbe zwischen uns und unserem Ziel. Also entweder einen Umweg von ca. 100 km über Hamburg in Kauf nehmen oder die Elbfähre bei Glückstadt.

 

Am Anleger der Elb-Fähre

Nun, wir wählten die Fähre. Wir erreichten recht zügig den Ort Wischhafen, wo sich direkt der Anleger der 4 Elbfähren befindet. Wir reihten uns ein in eine - wie wir dachten - sehr lange Schlange wartender LKW, PKW und Wohnmobile und mussten zwei Fähren Geduld aufbringen, bevor wir bei dem dritten Durchgang dann dabei waren. Die Überfahrt an sich dauerte nur 25 Minuten, aber das ganze Drumherum kostet uns mehr als 1,5 Stunden bis wir unsere Fahrt fortsetzen konnten. Runter von der Fähre fuhren wir in der Gegenrichtung dann an einer wirklich sehr, sehr langen Warteschlange vorbei; wir schätzten, dass die letzten Wartenden sicher mehrere Stunden brauchten, bis sie endlich auf die Fähre konnten. So waren wir also noch recht gut bedient!

Unser Wohnmobil auf dem Weg ans andere Elb-Ufer

 

Dann ging es problemlos weiter durchs platte Land und am späten Nachmittag kamen wir dann auf unserem privaten Stellplatz Camping am Nordseedeich an. Hier gibt es Strom und ein kleines Sanitärgebäude und 10 Stellplätze auf einer Wiese. Da wir nicht sicher waren, wie gut hier die allgemeine Versorgungslage ist, hatten wir zuvor noch einige Lebensmittel eingekauft und versorgten uns so im WoMo selbst.

Unser Stellplatz am Nordseedeich

 

Der Grund warum wir ausgerechnet in Friedrichskoog Halt machten, ist die hiesige Seehundstation. Hier werden verletzte, verwaiste oder sehr geschwächte Jungtiere aufgepäppelt und später wieder ausgewildert, sofern möglich. Diese nennt man Heuler, weil sie ständig und meist erfolglos nach ihrer Mutter rufen. Gründe dafür kann sein, dass ein Sturm die Tiere getrennt hat, daß die Mutter verletzt oder getötet wurde oder auch durch die Gegenwart von Menschen vertrieben wurde.

Becken in der Seehund-Station Friedrichskoog

 

Aktuell werden hier 4, im Winter geborene, junge Kegelrobben auf ihre Entlassung in die Freiheit vorbereitet. Im Sommer herrscht oft mehr Betrieb, an manchen Tagen werden bis zu 15 Heuler eingeliefert.

Robbe "Nemi" auf ihrem Lieblingsplatz

 

Außerdem leben noch 6 erwachsene Seehunde und Kegelrobben ständig in der großzügigen Anlage. Sie werden von ihren Pflegern trainiert, beschäftig und täglich bei der Fütterung auch medizinisch untersucht. Sie konnten nach einer Verletzung oder der Aufzucht nicht mehr ausgesetzt werden, da ihre Überlebenschancen zu gering gewesen wären.

Kegelrobbe

 

Die Fütterung konnten wir heute live miterleben und es war lustig anzuschauen, was die Tiere alles so gelernt hatten. Die erwachsenen Tiere haben stets direkt Kontakt mit ihren Pflegern, wohingegen die Jungtiere mittlerweile nur noch aus der Ferne mit Futter versorgt werden, um sie möglichst auf Distanz zum Menschen zu halten, damit sie lernen selbständig zu fressen und später problemlos in die Nordsee entlassen werden zu können. Man sagt, dass Tiere, die länger als ein Jahr mit Menschen zusammengelebt haben, nicht mehr ausgewildert werden können.

Robben-Fütterung

 

Die Seehund-Station bietet auch interessante Ausstellungsräume, in denen man viel über Robben und die Funktion der Seehund-Station lernen kann. Es gibt 34 Robben-Arten, die sich in Hundsrobben und Ohrenrobben unterteilen, plus das Walross. Im Gegensatz zu den Ohrenrobben haben Hundsrobben keine Ohrmuscheln, sondern durch Muskeln verschließbare Ohren, sowie verkleinerte Schwanzflossen, mit denen sie unter Wasser zwar steuern, sich an Land aber nicht fortbewegen können; dazu ist dann reine Muskelkraft erforderlich. Die in der Nord- und Ostsee lebenden Seehunde und Kegelrobben gehören zu der Gattung der Hundsrobben. 

Robbe auf Landgang

 

Trotz eiskaltem Wind spazierten wir abends nochmal ins nahe gelegene Friedrichskoog-Spitze und aßen im Restaurant „Zur Spitze“ hervorragend zu abend: Alex bekam eine leckere Ofenkartoffel mit Nordsee-Krabben und Sauerrahm, ich einen „Trischendamm-Teller“ mit Rotbarsch-Filet, Nordsee-Krabben und Bratkartoffeln, dazu dunkles Dithmarscher Dunkelbier.

Dienstag, 21. April 2026

Bremerhaven

 

20.04.2026 – 22.04.2026

Von Alex

Der nächste Stopp auf unserer Reise nach Dänemark ist Bremerhaven. Da wir immer nur kleine Etappen fahren wollen bot sich die Hafenstadt Bremerhaven an. Hier mündet die Weser ins Meer, die sich im Landesinneren bei Hannoversch Münden aus Werra und Fulda gebildet hat:

„Wo Werra sich und Fulda küssen, sie ihren Namen büßen müssen und so entsteht durch diesen Kuß Deutsch bis zum Meer der Weserfluß“. Die Werra fließt übrigens durch meine Geburtstadt Eschwege!

Unser Stellplatz am Fischereihafen in Bremerhaven

 

Wir hatten einen Stellplatz im Hafengelände gebucht, da man von hier aus mit dem Fahrrad in 20 Minuten in die Innenstadt und zu den dortigen Sehenswürdigkeiten wie dem Überseehafen, dem Auswandererhaus, dem Zoo am Meer oder dem Klimahaus kommt.

Am Schaufenster Fischerhafen

 

In die andere Richtung gelangt man in 10 Minuten zu dem sog. „Schaufenster Fischereihafen“ mit dem Museumsschiff Gera und einem Fischkochstudio; einer der attraktivsten maritimen Ausflugsziele an der Nordseeküste. Hier schauten wir uns am frühen Nachmittag um und schlenderten an der ehemaligen Packhalle IV entlang, die heutzutage Restaurants, Fischgeschäfte und Souvenirläden beherbergt. Das Ausflugsschiff, das wir uns im Internet für eine Hafenrundfahrt herausgesucht hatten lag an dem bezeichneten Platz im Hafen, bot aber erst ab 1.Mai Hafenrundfahrten an. 

Skyline Bremerhaven

 

Es war noch nicht besonders viel los im Schaufenster! In einem Fischgeschäft erwarben wir ein wenig geräucherten Seefisch und Matjes für unser Abendessen und radelten trotz kalter Temperaturen und sehr steifer Brise zur Wesermündung und schauten den kleinen und großen Schiffen zu bis es uns zu kalt wurde und wir Richtung Innenstadt fuhren. Hier stellten wir am Schifffahrtsmuseum unsere Räder ab und spazierten entlang der Weser und dem Neuen Hafen, vorbei an Strandhalle, den Leuchttürmen „Minarett“ und „Simon Loschen“ und dem Zoo am Meer und bestaunten alte Schiffe im Ruhestand wie das Schleppschiff Stier oder einen alten Walfänger. Sie gehören zum Außenbereich des Museums und können teilweise auch innen besichtigt werden.

Schiff im Außengelände des Schifffahrtsmuseum

 

Auch das Segelschulschiff Deutschland kann hier besichtigt werden. Von hier aus hatten wir auch einen guten Blick in den Überseehafen mit den riesigen Frachtschiffen.

Auf dem Rückweg vorbei am Klimahaus fanden wir ein Ausflugsschiff, das täglich Hafenrundfahrten anbietet und bei dem wir flugs zwei Tickets für eine „Dicke Pötte Tour“ für den morgigen Dienstag buchten. Denn der große Hafen lässt sich wohl am besten vom Boot aus erkunden.

Auswanderer-Denkmal

 

Im Einkaufscentrum mit Glaskuppel erholten wir uns von dem kalten Wind, schlürften Aperol und Bier und ich erwarb nebenbei bei Lewis günstig zwei neue Jeans.

Dann war es genug für den heutigen Tag und wir radelten zurück in unser warmes WoMo, verspeisten den Räucherfisch mit Ostfriesischem Katenbrot und schauten dabei den großen Pötten zu, die direkt vor unsere Nase durch die Hafenanlagen manövrieren.

 

Von Axel

Am nächsten Morgen fuhren wir nach dem Frühstück wieder mit den Fahrrädern in die Innenstadt, die knapp 4 km von unserem Stellplatz entfernt liegt. Die Sonne lachte vom wolkenlosen Himmel, aber es war recht kalt und windig. Wir spazierten durch das Mein-Outlet in die Fussgängerzone, weiter vorbei an der Bürgermeister-Smidt-Gedächtniskirche, dann später links zurück zum Neuen Hafen und dem Segelschulschiff Deutschland, das 1927 in Dienst gestellt wurde und 12 Überseereisen absolvierte. Zeitweise wurden hier 150 „Zöglinge“ ausgebildet, und obwohl uns das 86,2 m lange und 11,98 m breite Schiff recht großzügig vorkam, ging es dann sicher schon sehr beengt zu. Heute kann man auf dem Schiff übernachten, in Einer-, Doppel- und Viererkabinen, teilweise mit Doppelbetten, in der Regel mit gemeinsamen WC und Dusche. Für 4,50 € Eintritt pro Person konnten wir das Schiff besichtigen und durchstöberten das kleine Museum, das Haupt- und Zwischen- sowie das Oberdeck.

Segelschulschiff Deutschland

 
Kapitänskajüte auf dem Segelschulschiff Deutschland

3-Mast-Takelage

 

Anschließend spazierten wir weiter am Neuen Hafen entlang, der so neu gar nicht mehr ist: er wurde 1852 in Betrieb genommen.

 

Die Geestemünde

Vor der geplanten Hafenrundfahrt stärkten wir uns mit Fischbrötchen und noch einem Kaffee im Mein-Outlet, bevor dann die Geestemünde pünktlich um 14:00 Uhr ablegte, mit relativ wenig Fahrgästen an Bord. Es ging durch die Schleuse, um das Niveau des Hafenbeckens an den Tiedenhub der Weser anzupassen, dann schipperten wir nach Norden, zuerst an dem kleinen Schlepper-Hafen vorbei, wo die Schlepper auf ihre Aufträge warten, dann an einem der größten Schleusentore der Welt, hinter dem „Dickschiffe“ für den Transport von Autos vertäut waren. Teilweise passen 6500 Autos auf ein Schiff und zahlreiche Menschen sind notwendig, um diese vom Schiff runterzufahren; ein Job, den unser Reiseführer auf der Geestermünde auch schon mal gemacht hat. Übrigens war der heutige Kapitän der Geestermünde seinerzeit Segelschüler auf der Deutschland!

Containerhafen Bremerhaven

 

Dann ging es vorbei am Stückgut-Hafen, an dem früher das Obst aus Übersee angelandet wurde, der heute aber nicht mehr in Betrieb ist, und wir näherten uns dem Containerhafen mit 14 Liegeplätzen und 40 Kränen, an dem zahlreiche „Dicke Pötte“ zu bestaunen waren, die emsig be- und entladen wurden mit den üblicherweise 12 m langen Containern. Drei Schlepper eilten an uns vorbei und steuerten auf ein weiteres riesiges Containerschiff zu, das am Horizont aufgetaucht war und sich schnell näherte.

Schlepper im Einsatz

 

Die Seehund-Bänke waren jetzt bei Flut leider überflutet, Alex erspähte aber ein einzelnes Exemplar weiter weg im Wasser. Unser Schiff drehte am Ende des Container-Hafens um und fuhr zurück, so dass wir nach zwei Stunden wieder im Neuen Hafen anlandeten.

 

Simon-Loschen-Leuchtturm
und Schleuse zum Neuen Hafen

Tief beeindruckt von dem Gesehenen und Gehörten radelten wir zurück zu unserem Wohnmobil zu einer Tee-Pause, bevor es Abendessen gab in einem Fisch-Restaurant am Schaufenster Fischereihafen, der in 3 Minuten für uns per Fahrrad erreichbar war.  Im „Dock IV“ gab es Kutter-Scholle und Rotzungen-Filet zu essen, dazu ein dunkles Steuermann-Bier.