Sonntag, 19. April 2026

Neuharlingersiel

 

16.4.2026 – 20.04.2026

Von Alex

Am heutigen Freitag frühstückten wir königlich in der Hafenkneipe Dattein, das übersetzt 13 bedeutet, und die Hausnummer des Hauses ist, in dem sich das Lokal befindet. Ab 10 Uhr kann man dort z.B. Friesenschmaus (Rührei mit Krabben) oder Hafenmelodie (Schinken, Lachs, Brötchen und Marmelade) als Einstieg für den Tag genießen. Dazu gab es einen großen und sehr leckeren Pott Kaffee und Orangensaft. 

Frühstück im Dattein

 

Das Lokal ist u.a. sehr schön mit alten Bildern von Neuharlingersiel dekoriert, was mich an die Urlaube in meiner Kindheit (also Mitte der 1960´er Jahre) erinnerte! Vieles hat sich seitdem verändert, aber einiges ist auch noch so wie ich es in Erinnerung habe. Am meisten aber fehlt mir der typische Nordseegeruch nach Schlick, Salz, Tang und Jod und die schreienden Möwen im Hafen. Wir vermuten, da sie nicht mehr gefüttert werden dürfen und es auch gar keine Fischer mehr gibt, die die Reste ihres Fangs ins Hafenbecken entlassen, dass sie sich einen anderen Standort gesucht haben-sehr schade. In meiner Kindheit konnte man auch noch am Vormittag mit einer Tüte ausgestattet, zu den einlaufenden Fischern gehen, die ihren Fang auf große Anhänger kippten, um für ganz kleines Geld direkt ein paar Kilo Nordseekrabben zu erhalten. Heute kosten 100g um die 9€!!!

Im Hafen von Neuharlingersiel

 

Nach diesem gelungenen Start in den Tag radelten wir am Deich entlang nach Harlesiel und Carolinensiel, wo wir hofften, den alten Mann in seinem noch älteren Gemischtwarenladen anzutreffen. Und siehe da, er hält dort immer noch die Stellung und verkauft immer noch seine selbst zusammengestellte Friesenteemischung, die nicht bitter wird. Er sieht noch genauso aus wie vor 20 Jahren und auch das Sortiment hat sich nicht verändert. Manches ändert sich eben nicht so schnell.

Im Hafen von Carolinensiel

 

Nur die berühmten Echten Leidenschaften, ein typisch friesisches Gebäck zum Tee, gibt es leider nicht mehr, da die Bäckerei, die sie herstellten, aus Altersgründen verkauft wurde und der neue Eigentümer keinen Bäcker findet, der dieses Gebäck herstellen kann.

Dann ging es wieder zurück nach Neuharlingersiel bei immer noch recht schönem, windstillem Wetter und sehr angenehmen Temperaturen. Im Sielhof reservierten wir für den Abend einen Tisch, um uns ein leckeres Fischgericht zu gönnen.

 

Am Deich zwischen Neuharlingersiel und Bensersiel

Da uns das Wetter an diesem Samstag Morgen nach draußen lockte beschlossen wir einen Spaziergang auf dem Deich Richtung Bensersiel zu machen. Das Wasser der Nordsee kam langsam zurück und wir marschierten im “Schrägstand“ am Deich entlang und beobachteten durch das Fernglas zahlreiche Wasservögel bei der Nahrungssuche wie etwa die Austernfischer mit ihrem typischen roten Schnabel, roten Augen und roten Beinen, die Schwarzkopfmöwen und die größeren Heringsmöwen sowie den großen Brachvogel.

 

Vogelkolonien im Wattenmeer der Nordsee

Das Laufen gefiel uns so gut, dass wir die 8,3 km nach Bensersiel bis zum Mittag geschafft hatten. Dort ließen wir uns in einem Strandkorb auf dem Dorfplatz nieder und genossen Fischbrötchen und Alsterwasser, um uns für den Rückweg zu stärken. Auf dem Rückweg staunten wir, wie hoch doch die Nordsee mittlerweile an den Deich schwappte, um sich wenig später wieder zurückzuziehen.

Mittagessen in Bensersiel

 

Am Strand direkt vor unserem Stellplatz zogen zwei Kitesurfer ihre Runden in der Nordsee, die nun immer flacher wurde bis schließlich nur noch Schlick zu sehen war.

Campingplatz in Neuharlingersiel

 

Am Abend schauten wir bei einer steifen Brise noch den wenig spektakulären Sonnenuntergang an und beendeten den Tag mit einem kleinen Imbiss in unserem WoMo.

Sunset an der Nordsee, spektakulär fotografiert !

 

Von Axel

Am Sonntag war es stark bewölkt und es blies ein eiskalter Wind. Nach einem kurzen Spaziergang zum Hafen trieb es uns schnell in unser Wohnmobil zurück und nachmittags dann in die Sauna des BadeWerks Neuharlingersiel. Zum Tag des Knoblauchs gab es zuerst einen passenden Aufguss in der Strandbad-Sauna – glücklicherweise nicht direkt mit Knoblauch, sondern mit Gewürzdüften passend zu Knoblauch wie Thymian und Rosmarin. Weitere Aufgüsse folgten in der Koggen-Sauna, die wie das Innere eines historischen Segelschiffes gestaltet ist. 

Abendessen im Dattein

 

Am Abend suchten wir dann wieder das Dattein auf, das mittlerweile zu unserer Lieblingskneipe hier geworden ist und wo es lecker Fischsuppe und Matjes in Sherry-Marinade gab, dazu das dunkle Deichinger-Bier und ein Dattein „Gold“, einen milden Aquavit mit leichtem Kümmel-Geschmack.

Samstag, 18. April 2026

Aurich

 

15.4.2026-16.4.2026

Von Axel

In Aurich machten wir Zwischenstation für Sauna- und Brauereibesuch. Direkt am Wohlfühl- und Familienbad „De Baalje“ gibt es einen Wohnmobil-Stellplatz, wo wir für 15 € stehen konnten. Gleich morgens ging es also in die Sauna. Es gab „Creme“-Aufgüsse, bei denen man sich vor dem Schwitzen eincremt, und einen Aufguß „Sturmflut“, bei dem es immer heißer wurde. 

Die "Stadtperle" in Aurich

 

Am Abend ging es dann zur 300 m entfernten Brauerei „Stadtperle“, deren Braumeister leider in Rente gegangen ist, so daß es leider keine lokalen Biere mehr zu probieren gab, wo wir aber recht gut zu Abend aßen.

 

Unser Wohnmobil am Hafen von Bensersiel

Am nächsten Tag fuhren wir zunächst mal nach Esens zu einem Campershop und -Werkstatt, denn unser Frostwächter machte Probleme und ließ ständig Wasser ab, wenn die Wasserpumpe eingeschaltet wurde. Der Experte vor Ort hatte aber leider kein Ersatzteil zur Hand, Nachschub war erst wieder für nächste Woche zu erwarten. Er drückte mir ein kleines Stück Schlauch in die Hand und empfahl den Frostwächter erstmal einfach zu überbrücken.

Das Sielwerk von Bensersiel

 

Danach wollten wir uns Esens noch anschaunen, fanden aber nirgends einen Tages-Parkplatz für Wohnmobile. Daher ging es gleich weiter nach Bensersiel, wo wir am Hafen stehen konnten. Auf dem dortigen Markt verspeisten wir erstmal Krabben- und Fischbrötchen und spazierten dann etwas umher, bevor wir die wenigen Kilometer nach Neuharlingersiel weiterfuhren und dort um 14:30 Uhr unseren Premiumplatz direkt am Deich bezogen, wo wir die kommenden vier Tage unser Lager aufschlagen würden. Der Campingplatz ist riesig, größer als ganz Neuharlingersiel, und ganz neu eingerichtet. Mit einer „Premium-Card“ hatten wir Zugang zum Kapitänshus, das innen wir ein Schiff gestaltet ist, mit komfortablen Toiletten, Duschen, Waschkabinen, und mit Musik; ich fühlte mich an den Stellplatz beim Europapark in Rust erinnert, wo wir denselben Luxus genießen konnten.

Am Nachmittag spazierten wir zum Hafen von Neuharlingersiel und endeten im Dattein zu Aperol und Bier, bevor wir uns im Wohnmobil die Reste eines Masaman warm machten und dazu Reis kochten.

Dollart

 

13.4.2026-15.4.2026

Von Axel

Der Dollart ist die Bucht, wo die Ems in die Nordsee mündet. Im Norden liegt Deutschland, im Süden Holland. Aufmerksam geworden auf diese Region bin ich durch einen Artikel im Heft promobil 5/2026, in dem diese Region als weißer Fleck auf der Landkarte für Reisemobilisten bezeichnet wird, in dem sich deutsche und niederländische Einflüsse vermischen. Entstanden ist dieses riesige Flussdelta einst, als durch Fehden vernachlässigte Deiche brachen und das Land vom Meer verschlungen wurde.

Unser Stellplatz in Delfzijl

 

Wir machten uns auf den Weg nach Delfzijl, wo nach zweieinhalb-stündiger Fahrt ein praktischer Wohnmobil-Stellplatz mit großzügigen Stellplätzen und kleinem Sanitärhäuschen auf uns wartete. Wir hinterließen 2x15 Euro + 4x1,75 Euro Touri-Steuer in einem Umschlag und warfen diesen in die “Trust-Box”, denn wir wollten zwei Tage hier bleiben. Heute war es bewölkt mit etwas Regen am Abend und in der Nacht, aber für den nächsten Tag locket sonniges Wetter für eine Radtour durch das Emsland.

Wir spazierten durch Delfzijl, das außer einer großen Mühle und einer eher langweiligen Fußgängerzone nicht viel zu bieten hat. Hinter dem Deich war jede Menge flaches Wattenmeer zu sehen, im Süden zahlreiche Windräder und Hafenanlagen.

Termunterzijl

 

Am nächsten Tag, einem Dienstag, radelten wir los gen Süden auf dem Dollard-Radweg in das 12 km entfernte Örtchen Termunterzijl. Ein Großteil der Strecke führte an Industrieanlagen und Raffinerien vorbei, bis es dann wieder am Deich entlang in das kleine ehemalige Fischerdorf ging.

 

Spiegelei-Brodje "Nordic"

Im Café an den Hebebrücke

Wir waren vor zwölf Uhr da und kehrten in ein schmuckes Cafe ein direkt an einer Hebebrücke über einen Kanal gelegen. Dort machten wir Mittagspause mit alkoholfreiem Radler und Spiegeleier-Brodje “Nordisch” ( mit Räucherlachs ), was sehr lecker und liebevoll zubereitet war. Nach einem Espresso radelten wir auf Rat der netten Wirtin noch zum 3 km entfernten Dollart-Besucherzentrum, wo wir zwar keine Seehunde mit ihren Babies sehen konnten, dazu war es noch zu früh – die kommen erst im Mai. Dafür aber jede Menge Schafe mit ihren kleinen Lämmern.

 

Der Dollart

Um die vielen Industrieanlagen zu meiden und weil es noch früh am Tag war und das Wetter prima

(okay, wir hatten dann natürlich mit einem frischen Gegenwind zu kämpfen ), radelten wir einen Umweg zurück nach Delfzijl über Wagenborgen, an Kanälen und Weiden entlang, vorbei an mächtigen Windrädern, immer die richtige Nummer ansteuernd im holländischen Radwegenetz dieser Region: 95-91-86-62-84-82-89-87. Gegen 16:30 Uhr waren wir nach insgesamt 42 km Strampelei wieder zurück am Womo.

Nach einer Teepause gab es noch einen kurzen Spaziergang auf dem Deich entlang und dahinter wieder zurück zu unserer mobilen Heimat.