Montag, 15. Juni 2026

Lübeck

 

12.06.2026 – 15.06.2026

Von Alex+Axel

Für das Wochenende haben wir uns vor den Toren Lübecks einen Stellplatz auf einem Campingplatz gesichert, von dem aus man mit dem Fahrrad oder auch dem Bus bequem in die Innenstadt fahren kann. Das Wetter ist nach wie vor kühl und sehr wechselhaft mit mehr kräftigen Schauereinlagen als Sonnenschein. Von daher ist es praktisch auch eine Busverbindung zu haben.

Holsentor

 

Am Ankunftstag putzten wir mal wieder das Innere vom WoMo, räumten den Stauraum auf, ruhten uns aus und kochten uns am Abend einen leckeren Nudelauflauf, denn die Besichtigung von Lübeck haben wir für Samstag und Sonntag vorgesehen.

Am heutigen Samstag präsentiert sich das Wetter mehr als schauderhaft. Es schüttet in regelmäßigen Abständen, dazu wehte ein stürmischer und echt kalter Wind. Das das Regenradar ein wenig Besserung für den Nachmittag ankündigte, beschlossen wir erst am frühen Nachmittag in die Innenstadt zu fahren und zwar mit dem Bus! Bei dem Wetter holten wir die Fahrräder erst gar nicht vom Träger herunter, zumal der Bus direkt am Campingplatz abfuhr.

Und so fuhren wir also erst gegen 14 Uhr mit der Linie 2 zum Holstentorplatz. Der nette Busfahrer verkaufte uns gleich auch noch die Rückfahrkarten, womit wir ein paar Cent sparen konnten.

Rathaus mit Rathausplatz

 

Am Holstentor, dem Wahrzeichen von Lübeck angekommen, regnete erst mal wieder und wir stellten uns unter, bis der Schauer vorbei war. Das Holstentor wurde 1478 fertiggestellt und ist ein altes Stadttor, das die Altstadt der Hansestadt begrenzt. Das spätgotische Gebäude gehört zu den Überresten der Lübecker Stadtbefestigung. 1901 übernahm der Marzipanhersteller Niederegger das Holstentor in sein Firmenwappen und es ist auf der 2 € Münze aus dem Jahr 2006 zu sehen.

In einem Lübecker Hinterhof

 

Das Burgtor

Dann ließen wir uns durch die Stadt treiben und bestaunten vor allem die Gänge und Höfe der Stadt. Sie sind ein ganz besonderer Bestandteil der mittelalterlichen Baustruktur der Stadt. Die begrenzte Fläche der Altstadt wurde durch schmale Gänge erschlossen, an die man kleine, oft nur ein Zimmer umfassende Buden baute. Die Höfe wurden in der Regel von begüterten Lübeckern hergerichtet. Häufig zogen dort Kaufmanns- und Schifferwitwen ein. Einige Höfe waren auch für Bedürftige eingerichtet. Die Gänge hingegen wurden mit dem Ziel geschaffen, möglichst viel Mietzins einzunehmen. Private Grundbesitzer bauten schmale Durchbrüche in die Vorderhäuser, um in den Hinterhöfen Buden aus Holz zu errichten, wo die Ärmsten der Armen in drangvoller Enge und unter vollkommen unzureichenden hygienischen Bedingungen hausten. Im 17. Jahr. existierten rund 180 solcher Gänge, heute sind noch ca. 90 erhalten, die man teilweise besichtigen kann. So schlenderten wir weiter zum Klughafen, schauten einer alten Kogge beim Anlegen zu, die als Ausflugsschiff dient, marschierten durch das alte Burgtor vorbei an zahlreichen alten Backsteinbauten mit Stufengiebeln. Die Lübecker Bürger müssen eine Vorliebe für Rosen haben, denn an fast allen Häusern der Altstadt prangen herrliche Rosen aller Art. Da es zwischenzeitlich schon Abend geworden war machten wir uns auf die Suche nach einem Restaurant. Das war allerdings schwerer als gedacht. Wir fanden nur Dönerbuden, Cafes die schon geschlossen hatten oder völlig überfüllte Lokale, an denen sich zum Teil lange Warteschlangen gebildet hatten. Nach der dritten Runde durch die Fußgängerzone kehrten wir schließlich in einer Selbstbedienungspizza ein, da der Hunger mittlerweile beträchtlich war. Der Salat war ausgezeichnet, die Pizza durchschnittlich, aber wir waren satt. Für morgen werden wir uns unbedingt einen Tisch in einem netten hiesigen Lokal sichern!

 

Stufengiebel-Backsteinhäuser beim Holstentor

Auch am Sonntag war das Wetter launig und überwiegend bewölkt und erst am Nachmittag sollte es etwas trockener werden, so dass wir wieder am frühen Nachmittag mit dem Bus in die Innenstadt fuhren. Während wir gestern hauptsächlich durch den westlichen Teil der Stadt, die gleichzeitig eine Insel ist zwischen Klughafen, Kanal-Trave, Stadt-Trave, Holstenhafen und Hansahafen, gewandert waren, nahmen wir uns heute den östlichen Teil und die dortigen schmalen und/oder niedrigen Gänge vor, die teilweise auf dem Stadtplan von Lübeck, den wir am Campingplatz erhielten, verzeichnet sind. Zuvor kehrten wir diesmal aber beim Niederegger-Café ein und gönnten uns dort Baumkuchen mit Marzipan bzw. Herrentorte zu Tee oder Kaffee.

Lübeck aus Marzipan

 

Dom zu Lübeck

Wir besuchten auch den Dom, dessen beiden Türme deutlich schief stehen und der hohen Sanierungsbedarf hat, denn auch das Mauerwerk bröckelt. In den letzten Jahren hat man das aufwendig analysiert, sogar bis zu 3,2 m tiefe Bohrungen ins Mauerwerk vorgenommen und mittlerweile ein Sanierungskonzept vorgelegt, das 23 Millionen € kosten soll. Neben dem instabilen Untergrund waren auch die verwendeten Ziegelsteine von schlechter Qualität, denn zur Bauzeit des Doms fehlte die Erfahrung Steine in guter Qualität herzustellen. Die beiden Weltkriege taten ihr Übriges, dem Dom schwer zuzusetzen.

 

Traditionshaus der
Schiffergesellschaft


Mit unserer Wanderung durch Lübeck mußten wir bis 18:00 Uhr durchhalten, denn für diesen Zeitpunkt hatte Alex einen Tisch im Restaurant „Schiffergesellschaft“ reserviert, einem Lübecker Traditionshaus in einem ehemaligen Gildehaus in der Breiten Straße. Die Lübecker Schiffergesellschaft entstammt den Anfängen der kommerziellen Seefahrt und war ursprünglich für alle Schiffer der Hansestadt verpflichtend. Mit dem Erlöschen der Beitragspflicht entstand vor rund 150 Jahren das, was die Schiffergesellschaft heute ist: Ein traditionelles, hanseatisches Restaurant mit moderner Küche und historischem Ambiente.

Wir wurden durch einen großen Raum mit langen Tafeln und Modellen von Segelschiffen an der Decke in einen der Säle im hinteren Bereich geführt und bestellten uns dort unser Abendessen: zwei Aperol, Pfahlmuschelsalat bzw. Krabbensuppe für Alex als Vorspeise, gefolgt von geschmorter Kaninchenkeule und gegrillter Dorade. Bis auf die Krabbensuppe waren wir mit dem Essen sehr zufrieden, der Service war etwas ruppig und hektisch.

Um 20:38 Uhr ging es mit dem Bus zurück zum Campingplatz.

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