Sonntag, 15. September 2024

Herbstwanderwochen 2024 – 4. Wanderung vom Würzjoch nach Campill

 von Axel

Der Peitlerkofel

 

Der Montag wurde ein Ruhetag, obgleich das Wetter schnell wieder aufklarte und schön wurde. Wir fuhren mit dem Bus nach San Vigilio, machten einige Einkäufe und einen Spaziergang und kehrten in ein Cafe ein zur Mittagsvesper.

 

An der Munt de Fornella Alm

Am Dienstag, den 10.9.2024 fuhren wir mit dem Bus zum Würzjoch, mit Umsteigen in St. Martin und in Antermoia (Untermoi). Während wir in San Martin De Tor fast eine halbe Stunde auf den Anschlussbus warten mußten, hatten wir in Untermoi nur zwei Minuten Zeit zum Umsteigen – und da der zweite Bus ordentlich Verspätung hatte verpassten wir den Bus in Untermoi und mußten dort eine Stunde warten, bis uns ein kleiner Bus endlich zum Würzjoch (2006 m) beförderte, wo wir dann um 11:00 Uhr gleich loswanderten.

 

Blick von der Göma-Scharte

Auf dem Weg 8a wanderten wir unterhalb des Peitlerkofels entlang vorbei an der Ütia De Göma (2025 m) hinauf zur Göma Scharte (2106 m). Von hier konnten wir schon das Tal von Campill und die Ütia Vaciara ( 2090 m ) sehen, wo wir die Mittagsrast einlegten und uns Polenta, Hirschsalami und Speckknödelsuppe schmeckten ließen. Die Sicht heute war besser als bei unserem letzten Besuch hier, wir blickten hinüber zum Heiligkreuzkofel und konnten in der Ferne sogar den Lagazuoi und die Civetta sehen. Der Abstieg hinunter nach Lungiarü (1398 m) zog sich in die Länge und dann folgte noch der Gegenanstieg zu unserer Pension auf 1527 m. Insgesamt sind wir ca. 700 m ab- und 270 m aufgestiegen.

 

Panorama-Blick von der Ütia Vaciara

Herbstwanderwochen 2024 – 3. Wanderung zum Kreuzjoch

 von Axel

 

Oberhalb der Ütia Ciampcios

Unserer dritte Wanderung am Sonntag, den 8.9.2024, führte uns hinauf zur Ütia Ciampcios ( 2030 m ), wo wir um 11:00 Uhr anlangten. Es war also noch früh genug weiter zu wandern zur Medalges-Alm ( 2293 m ), wo wir einkehrten zu Holler-Minze-Schorle, Kaiserschmarren und Speckplatte. Danach wanderten wir noch 5 Minuten weiter zum Kreuzjoch, das Alex und ich sogleich wieder erkannten, wie auch die linker Hand liegende Roa Scharte, zu der ein Schotterpfad steil hinauf führt: hier waren wir 2008 mit Ludwig und einer Gruppe Wanderer vorbei gekommen auf dem Weg von München nach Venedig.

Am Kreuzjoch

 

Für heute mittag war Gewitter oder Regen gemeldet, weswegen wir uns alsbald an den Abstieg machten. Wir erreichten unsere Pension um 15:00 Uhr genau in dem Moment, in dem der Regen einsetzte. Perfektes Timing ! Wir genossen noch ein Bierchen auf der Terrasse und später einen Sauna-Gang, während sich der Regen den ganzen restlichen Tag über fortsetzte.

Herbstwanderwochen 2024 – 2. Wanderung über Juvel und Spizan

 von Axel

 

Blick zu den Bergen der Puez-Gruppe

Unserer zweite Wanderung führte uns auf den südlichen Höhenzug des Tales, von dem man hinunter blicken konnte ins Gadertal und zum Heiligkreuzkofel. Wir überquerten dabei zwei kleine Gipfel, den Juvel ( 1728 m ) und den Spizan ( 1845 m ). Das Wetter hatte sich gebessert und wurde sonnig, von einer Rastbank hatten wir bei der Mittagsvesper einen schönen Ausblick ins Nachbartal und zu den Bergen dahinter.

Blick ins Gadertal

 

Lungiarü  unterhalb
des Peitlerkofels

Der Weg war stellenweise unzureichend markiert und so verliefen wir uns auch einmal, was wir aber frühzeitig merkten anhand Höhenmesser und Karte. Über einen Querweg kehrten wir zum Weg 17B zurück und stiegen dann an einem Wegekreuz linker Hand ab, zunächst sehr steil über einen teilweise schlammigen und rutschigen Pfad, dann Forststrassen folgend zurück nach Lungiarü und zu unserer Pension.

Herbstwanderwochen 2024 – 1. Wanderung zur Ütia Vaciara

 von Axel

Die erste Hälfte unserer diesjährigen Herbst-Wanderferien verbrachten wir in Campill, im Ladinischen Lungiarü genannt ( 1398 m ), in der Pension Otles (***), die noch etwas ausserhalb auf 1527 m Höhe liegt, am unteren Ende des Mühlentals ( „Val di Morins“ ). 8 historische Mühlen konnte man dort besichtigen, bis im Sommer dieses Jahres eine gewaltige Mure ins Tal abging und zwei der Mühlen zerstörte.

 

Lungiarü

Lungiarü liegt in einem kleinen Tal unterhalb des Peitlerkofels, parallel zum Gardertal. Die erste Hälfte der Fahrt dorthin zu Freunden, die in Zolling bei Freising wohnen, verlief problemlos, die 330 km lange Fahrt am nächsten Tag eher stockend, bis wir den Grossraum München verlassen hatten.

Am Freitag, den 6.9., unternahmen wir unsere erste Wanderung direkt von der Pension aus, zunächst dem „Weilerweg“ folgend. Weiler werden hier „Les Viles“ genannt.

 

Ein Weiler im Campill-Tal

Die "Viles" sind kleine Wohnsiedlungen, die nach bestimmten Malßstäben und Mustern errichtet wurden, und die zwei unterschiedliche Lebensweisen vereinten: den von den Römern eingeführten offeneren und gesellschaftsfreundlicheren Modus mit dem geschlossenen und isolierten Typus des rätischen und bajuwarischen Volksstammes. Man vermutet, dass die "Vila" ursprünglich nur aus einem Familiennukleus bestand und sich mit der Zeit durch die Angliederung anderer Familien ausgebreitet habe.

Kunst am Wegesrand



Jede Familie besitzt zwei voneinander getrennte Gebäude: die "čiasa" (Haus), mit der eigentlichen Wohnung im oberen Stock und mit dem Keller, der Speisekammer und der Werkstätte im Erdgeschoss. Ein Steg verbindet oft das erst genannte Gebäude mit der danebenliegenden "majun" (Heuschuppen). Der Stall bildet das Erdgeschoss der "majun", während sich oberhalb der eigentliche Heuschober befindet ("table") mit einem Balkon, der als Trockenraum dient. Besondere Aufmerksamkeit soll man den Verzierungsschnitzereien schenken, oft antiker und symbolischer Herkunft, die als uneigentümliche Elemente zu betrachten sind, da die Holzschnitzerei nicht typisch für die antike Gadertaler Kultur ist.

Vaciara-Alm



Das wichtigste Merkmal der "Viles" ist die gemeinsame Nutzung von Pfaden und Plätzen, Brunnen, Tränken und Backöfen. Zudem gibt es den alten Brauch, gemeinsam viele Arbeiten durchzuführen,
wie zum Beispiel der Bau eines neuen Heuschuppens. Man muss den Viles, vor allem im sozialen Bereich, große Bedeutung zuteilen. Sie bilden nicht nur eine Häusergruppe, sondern auch eine Gemeinschaft, die auf Solidarität und Brüderlichkeit basiert, wo Mensch und Umwelt noch im Gleichgewicht leben.

(Diese Infos über "Viles" habe ich der Info-Mappe der Pension Odles entnommen.)


Abstieg über eine Mure

An einem Parkplatz verließen wir dann den Weilerweg und stiegen auf über den Weg Nr. 9 zur Üttia Vaciara ( 2090 m ). Nach einer Mittagsrast ging es ein kurzes Stück weiter auf einem Wanderweg rund um den Peitlerkofel, bevor wir dann steil abstiegen Richtung Mühlental.

 

Herbstzeitlosen-Blütenpracht

Der Wirt unserer Pension hatte uns schon berichtet, dass hier der Weg von o.g. Mure verschüttet worden war. Entsprechende Warnschilder kündeten dann auch von der Sperrung dieser Wege, die aber in den letzten Tagen von einem Bagger provisorisch wieder hergerichtet wurden. Der Wirt von der Vaciara-Hütte berichtete uns, dass er mit dem Baggerfahrer gesprochen hatte und der Weg wieder passierbar sei, weswegen wir den Abstieg über diese Route wagen konnten. Wir erreichten die Mure, die in der Tat gewaltig war und weit ins Tal hinunter reichte. Unglaubliche Gesteins- und Erdmassen sind hier nach einem Gewitter ins Tal befördert wurden, dessen Hänge immer mehr Bäume verlieren, weil auch hier großflächig Fichten absterben.

 

Eine der Mühlen im Mühlen-Tal

Die Mure war passierbar, ein Weg drüberplaniert worden, der allerdings sehr matschig war. Wir erreichten das Mühlental, sahen uns noch ein paar der verbliebenen Mühlen an und stiefelten dann zurück zu unserer Pension.


Sonntag, 7. Juli 2024

Verdun

 

04.07.2024-06.07.2024

Von Alex

Man sagt: “Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt” und “Auch die längste Reise geht einmal zu Ende”.

Statuten an der Festungsmauer
der Zitadelle von Verdun

Und ja, heute setzten wir unsere Heimreise fort, natürlich nicht ohne noch einen allerletzten, sehr geschichtsträchtigen Ort zu besuchen - Verdun an der Maas. Manchen wird der Name noch aus dem Geschichtsunterricht zum Thema 1. Weltkrieg ein Begriff sein.

Am Eingang der Citadelle Souterraine

 

Wir stellten unser WoMo auf dem recht netten Campingplatz Le Breuils ab und marschierten sogleich in die Stadt, um uns beim Tourismusbüro nach Touren und Führungen auf die Schlachtfelder rings um Verdun zu erkundigen, die es so allerdings nicht gab, zumindest nicht in englischer oder deutscher Sprache. Da die Wege dorthin einfach zu weit für uns waren entschieden wir uns am nächsten Tag für eine Führung in der Zitadelle von Verdun.

Mahnmal in der Stadt Verdun

 

Hier tobte nämlich 1916 eine zehnmonatige Materialschlacht um die Festung von Verdun. In weniger als einem Jahr starben 300.000 Soldaten, 400.000 wurden verwundet. Die Hauptschlacht endete am 19.12.1916, ohne dass sich der Frontverlauf wesentlich verändert hätte und der Krieg war damit auch noch lange nicht beendet. Erst am 11.11.1918 wurde der Waffenstillstand unterzeichnet, was einer bedingungslosen Kapitulation gleichkam. Was aber war passiert? 

Das ehemalige Offizierskasino in Verdun

 

Schon lange vor 1914 waren in Europa die Vorbereitungen für einen Krieg in vollem Gange. Zu dieser Zeit war Europa in zwei Blöcke gespalten: Die sog. Mittelmächte mit Deutschland, Österreich-Ungarn, Türkei, Bulgarien und Italien und auf der anderen Seite die “Alliierten” u.a. mit Frankreich, Russland, Großbritannien und Portugal. Es begann das Zeitalter des Imperialismus. Die europäischen Großmächte waren auf Eroberungen aus. Die Völker begannen aufzurüsten. 

Tour Chaussée in Verdun

 

Am 28.06.1914 kam es zum Attentat von Sarajevo; ein serbischer Student erschoss den Thronfolger Franz Ferdinand von Österreich-Ungarn und seine Frau, was gemeinhin als Auslöser für den 1. Weltkrieg gilt. Österreich-Ungarn setzte nun auf gezielte Provokation von Serbien und erklärte im Juli 1914 Serbien den Krieg. Am 01.08.1914 erklärte das deutsche Reich Russland den Krieg. Deutsche Truppen griffen dann Frankreich an, verletzten die Neutralität von Belgien und Luxemburg, was dazu führte, dass Großbritannien in den Krieg eintrat-und schon sind wir mittendrin in der “Hölle von Verdun”, wie sie später von den Beteiligten genannt wurde.

Centre Mondial de la Paix,
des Libertés et des Droits de l'Homme und
die Kathedrale von Verdun
 

 

Altar in der
Kathedrale von Verdun

All das und noch viel mehr erfuhren wir heute bei einer sehr eindrucksvollen Besichtigung der Citadelle Souterraine. Diese sehr weitläufige unterirdische Zitadelle mit ihrem 7 km langen Tunnelnetz wurde bereits im 17. Jh. von dem Militärbaumeister Verbaun entworfen und 1838 vervollständigt. 1916 bauten die Franzosen schließlich die Zitadelle um zu einer geheimen Kommandozentrale, in der zeitweise bis zu 10.000 Soldaten untergebracht waren bevor sie auf die einzelnen Schlachtfelder an die Front geschickt wurden. Ein Teil dieses unterirdischen Bauwerks kann heute mittels einer audiovisuellen Tour in einem kleinen ferngelengten Zug sitzend erkundet werden. Man fährt ca. 30 Minuten durch die nur 10 Grad warmen Stollen während man autentisches Filmaterial und Animationen sieht und durch eine 3-D-Brille drei frz. Soldaten durch die Wirren diese Krieges und die Stollen der Zitadelle folgt. bis sich schließlich ihr Schicksal in den Wirren des Krieges erfüllt. Was bleibt sind zahllose, weiße namenlosen Kreuze auf endlosen Friedhöfen und die traurige Beisetzung eines unbekannten Soldaten stellvertretend für die vielen namenlosen Gefallenen: insgesamt verloren 10 Millionen Soldaten in diesem Krieg ihr Leben, 20 Millionen wurden verwundet, weitere 7 Millionen Opfer gab es unter der Zivilbevölkerung zu beklagen.

Wir waren sehr beeindruckt und ich fand diesen geschichtlichen Rückblick sehr interessant und wichtig – gegen das Vergessen!

Kirchenfenster in der Kathedrale von Verdun

 

Den Nachmittag verbrachten wir mit einem erneuten kleinen Streifzug durch die Stadt, die engen Gassen, entlang der Maas, hinauf zur Kathedrale Notre-Dame von Verdun, die im 1. Weltkrieg erstaunlicherweise nicht zerstört wurde, allerdings sieht man an den Außenwänden noch die Einschläge von Granatsplittern. Wir statteten auch dem Haus der Friedens (Centre Mondial de la Paix, des Libertés et des Droits de l'Homme) einen kurzen Besuch ab. Im Hof waren Bilder über den ukrainischen Krieg ausgestellt, und interessante Schautafeln über die Geschichte Deutschlands während und nach dem 1. Weltkrieg.

Dann erledigten wir noch einige Einkäufe regionaler Produkte für unser heutiges Abendessen, das wir wohl vor dem Fernseher einnehmen werden, während wir das Fußballspiel Deutschland-Spanien und später wohl auch Frankreich-Portugal verfolgen.

Morgen werden wir dann die restlichen 300 km ohne weiteren Zwischenstopp zurücklegen und dann versuchen uns wieder in den Mommenheimer Alltag einzufinden.

 

Donnerstag, 4. Juli 2024

Epernay 2024

 

02.07.2024-04.07.2024

Von Axel

Es zog uns mal wieder in die Champagner-Hochburg Epernay, wo wir vor zwei Jahren schon mal gewesen sind, um nochmal ein paar Champagner zu probieren.

Das Seine-Ufer bei Rouen

 

Auf dem langen Weg dorthin machten wir Zwischenstation in Rouen an der Seine, wo wir auf einem WoMo-Stellplatz an der Marina standen. Abends spazierten wir zu den Docks an der Seine, wo sich einige größere Lokalitäten aneinander reihen, und bestellten uns in einem der großen Food-Courts eine indische Platte mit allerlei gebackenen Leckereien, dazu indisches Naan-Brot mit Knoblauch, und an der Bar zwei Bier, während ringsum jede Menge französisches Fussball-Fans lange Zeit auf das erlösende Tor warten mußten, das dann ein Eigentor der Belgier wurde, und das Frankreich ins Viertelfinale der EM 2024 brachte. 

Die Unterschiede der verschiedenen Terroirs
in der Champagne, erklärt von Lucile vom
Champagner-Haus Proy-Goulard

 

Am nächsten Tag fuhren wir gleich weiter nach Epernay, nördlich an Paris vorbei, knapp 300 km in vier Stunden. Nach den ruhigen, beschaulichen Campingplätzen in der Bretagne hatte es uns im Hafen von Rouen nicht besonders gefallen: zu laut, zu chaotisch.

Turm des Champagner-Hauses
Champagne De Castellane

 

In Epernay bezogen wir einen Stellplatz auf dem Campingplatz, den wir schon kannten, und bekamen prompt denselben Stellplatz mit der Nummer 44; offensichtlich waren wir an der Rezeption noch im Computer gespeichert.

Am nächsten Tag wurden wir von einem Shuttle des Tourismusbüros um 10:15 Uhr am Campingplatz abgeholt und zu einem kleinen Champagner-Betrieb gefahren: Proy-Gulard, einem kleinen Familienbetrieb mit 8 ha Anbau-Fläche. Wir waren die einzigen Gäste dieses Besuchs eines lokalen Champagner-Betriebs, wie sie vom Tourismusbüro regelmäßig angeboten werden. Wir unterhielten uns ein Stündchen mit Lucile, der Chefin des Champagner-Betriebs, und probierten den Brut Tentation, der aus 40 % Pinot Noir, 40 % Pinot Meunier und 20 % Chardonnay besteht und zwei Jahre lang in der Flasche reift. Der schmeckte uns sehr gut: leicht und fruchtig. Anschließend brachte uns das Shuttle zurück zum Campingplatz samt Probier-Kiste, die wir vor Ort gekauft hatten.

 

Mittagessen bei Le Fleur De Sel

In der Avenue de
Champagne
groovt der Bär


Wir wollten im Blue Nautic Restaurant auf dem Campingplatz zu Mittag essen, aber leider hat es mittags geschlossen. Die nette Chefin Christine empfahl mir aber ihr zweites Restaurant in der Stadt, Le Fleur De Sel, das wohl von ihrem Mann betrieben wird. Dorthin lenkten wir unsere Schritte und wurden dort auch gut bedient. Nach einem Gläschen Champagner gab es Foi Gras, gefolgt von Lammkeule mit Kartoffelgratin; dazu paßte ein halbes Fläschen Cote de Rhone vorzüglich. Das Dessert bestand aus zwei Espressi und Creme Brulee für Madame und einem Schoko-Fondant mit Vanille-Eis für Monsieur. Der Chef des Hauses ließ es sich nicht nehmen mir einen französischen Cognac zu spendieren, nachdem ich Grüße von seiner Frau überbracht hatte – einen Meukow VS ( die Flasche mit dem schwarzen Panther ), an den ich mich genauso gewöhnen könnte wie an den bretonischen Eddu-Whisky.

Nach dem Mittagessen spazierten wir zum Tourismus-Büro, da wir von unserem letzten Besuch her wußten, daß man dort gratis Champagner probieren kann. Diesmal war Piot-Sévillano am Start und es gab zu probieren den “Le Rebelle”, bestehend zu 100 % aus Chardonnay ( der in der Berg-Region bei Reims wächst, wo üblicherweise Pinot Noir angebaut wird – daher der Name ) und das Cuvée Provocante, das aus 100 % Meunier besteht ( weswegen sich mir die Bezeichnung ‘Cuvée’ nicht ganz erschließt ).

 

160.000-Liter-Fass im Foyer von Mercier

 Weiter ging es die Avenue de Champagne entlang zu Mercier, wo wir für je 40 € pro Person eine Tour mit Tasting gebucht hatten. Zum Einstieg gab es den Brut Champagner zum Probieren, dann ging es mit dem Aufzug 30 Meter in die Tiefe zu einem lasergesteuerten Zug, der uns durch die 18 km langen Kellergänge von Mercier fuhr, die alle auf einer Ebene liegen. Eugène Mercier, der das Champagnerhaus 1858 gründete, war nicht nur ein genialer Unternehmer, sondern auch ein Marketing-Genie. Er gilt als der “Erfinder” der Champagner-Keller-Touren. Er ließ das seinerzeit größte Weinfass bauen, das 20 Tonnen wiegt, aus ungarischem Eichenholz besteht, 16 Jahre lang gefertig wurde und 160.000 Liter faßt, was einer Menge von 200.000 Flaschen entspricht. 1889 ließ Mercier dieses Fass mit 24 Ochsenpaaren nach Paris zur Weltausstellung transportieren, nachdem es 30 Jahre tatsächlich genutzt worden war. Dieses Faß ist in der Eingangshalle bei Mercier ausgestellt.

Champagner von Mercier

 

Nach der Fahrt durch die Kellergewölbe, die teilweise mit kunstvollen Reliefs verziert sind, gab es zwei weitere Champagner zum Probieren: den Mercier Blanc De Noir und den Mercier Brut Rosé. Von den dreien hat mir der einfache Brut am besten geschmeckt.

 

Mit einem Zug unterwegs in den Kellern
von Mercier

 

Nach diesem beeindruckenden Event machten wir uns auf den gut 3 km langen Rückweg zum Campingplatz.

 

Dienstag, 2. Juli 2024

Cancale

 

30.06.2024-01.07.2024

Von Alex

Statue der Austernwäscherinnen
vor der
Église Saint-Méen
Um die Heimreise so schön und interessant wie möglich zu gestalten, machten wir für eine Nacht Halt in Cancale, 14 km östlich von St. Malo, das wir bereits am Anfang unserer Reise besucht haben. Wir fanden einen netten Campingplatz namens Le Bois Pastel, der allerdings ein ganzes Stück außerhalb der Ortschaft lag. Aber da wir ja noch gut zu Fuß sind, machte das nicht soviel aus.

Nachdem wir die Anmeldeformalitäten erfüllt und das WoMo geparkt hatten, marschierten wir sogleich los Richtung Altstadt und Port de la Houle, um hier die weltberühmten Austern zu kosten.

Cancale war früher ein Hafen der Neufundlandfischer, die von hier nach Neufundland aufbrachen und meist über ein halbes Jahr auf See verbrachten um zu fischen.

Heute sind es die Austern und die Touristen, die die Haupteinnahmequellen des Ortes darstellen.

Hier werden sowohl die Huître creuse als auch die Huître Plate gezüchtet. In günstigen Jahren wurden hier bis zu 20.000 Tonnen Austern eingebracht. Das Ganze fand ein jähes Ende als 1920 fast der gesamte Austernbestand einer Pilzerkrankung zum Opfer viel. Man konnte allerdings glücklicherweise aus der Zucht im Golf von Morbihan Bestände erhalten und diese wieder in der Bucht von Mt.-St.-Michel ansiedeln. Der immense Tidenhub hier und der damit verbundene reichhaltige Planktongehalt des Wassers machten die Austern hier weltberühmt. Auf ca. 400 ha stehen aktuell die Austernbänke in der Bucht, die bei Ebbe auf fast schon gespenstische Weise aus dem milchig-türkisfarbenen Wasser auftauchen.

Austernbänke vor Cancale bei
ablaufendem Wasser

 

Am Hafen standen 8 kleine Austernstände der hieisigen Austernzüchter und boten frische Austern in allen Größen zur Verkostung an. Nicht weit davon entfernt konnte man ein Gläschen Muscadet erstehen und so setzten wir uns wie viele andere auch an die Hafenmole, ausgestattet mit je einem Glas Wein und einer Platte mit je 6 Huître Creuse und Huître Plate für schlappe 10,90€, wobei ich mittlerweile ein großer Freund der flachen und kleineren, leicht nussigen Huître Plate bin.

Bereit für die Austern-Verkostung

Die leeren Schalen flogen hier traditionell im großen Bogen auf den Strand, wo sich bereits einige ziemlich großer Haufen angesammelt hatte, sehr zum Vergnügen der Möwen, die sich an den Resten in den Austernschalen gütlich taten. Dabei hatten wir tatsächlich, wenn auch nicht sehr klar, aber dennoch gut erkennbar den Felsen von Mt. St. Michel im Blick und genossen mal wieder das schöne Leben in Frankreich – savoir-vivre!

Austernschalen am Strand von Cancale

 

Nach einem kleinen Bummel durch die Altstadt und einem letzten Blick auf die nun gut sichtbaren Austernbänke verabschiedeten wir uns schon wieder von Cancale, um morgen über Rouen in die Champagne aufzubrechen, wo wir in Epernay einen weiteren Zwischenstopp geplant haben, um uns den Abschied mit der ein oder anderern Champagner-Verkostung zu “versüßen”.

Blick auf Mont Saint-Michel
von Cancale aus